Shooting ballet on film
- doeringphoto
- 23. Mai
- 5 Min. Lesezeit
Durch einen wunderbaren Zufall konnte ich Proben für die Tanzgala "Dance around the World" der Ballettschule Klaas (Neunkirchen) fotografieren.

Analoge Bühnenfotografie ist eine völlig andere Nummer als digital. Schwaches Licht, schnelle Bewegungen und die geringere Empfindlichkeit der Filme sind bei diesen Tanzproben auf einer Theaterbühne meine Challenge. Blitzlicht ist keine Option, denn das war und ist bei Tanz- und Theateraufführungen verpönt. Schon eher lichtstarke Objektive.

Jenseits von 400 ASA gibt es inzwischen nicht so viel Auswahl an Filmen. Den Ilford Delta 3200 ASA wollte ich unbedingt mal testen. Und meine alten, abgelaufenen Fuji 800 ASA X-TRA Filme verwenden. Doch der Reihe nach.
Die Filme:

1. Ilford Delta 3200 ASA (auf 1600)
2. Ilford XP-2 400 ASA (800)
1: Ilford Delta 3200 ASA
Premiere: Diesen Film habe ich bisher noch nie verwendet.

Die Delta-Reihe der Ilford-Filme steht für moderne Film-Emulsionen. Insofern war ich ganz schön gespannt.

Den Film habe ich auf 1600 ASA belichtet. Im Labor ist der Delta in Ilford Ilfotec HC entwickelt worden, da ich selber keinen SW-Entwickler angesetzt hatte. Der Kontrast ist ausgewogen, das Korn grob und akzentuiert. Erinnert mich an den Ilford HP-5 (400 ASA), den ich früher im Theater auf 1600 belichtete (2 Stufen Push-Entwicklung), dann aber in Ilford ID-11 entwickelte.

Tipp: Das grobe Filmkorn setzt eigene Akzente und ist auch dem Film-Entwickler (Ilfotec HC) geschuldet. Ein Film-Noir-Look.
2: Ilford XP-2 400 ASA
Ein Klassiker und seit vielen Jahren einer meine Lieblingsfilme in Schwarz-Weiß. Den XP-2 habe ich hier auf 800 ASA belichtet und eine Blendenstufe gepusht. Der Film wird im Farbprozeß C-41 entwickelt.

Im direkten Vergleich zum Delta 3200 hat der gepushte XP-2 ein deutlich feineres Korn. Kein Wunder, zählt der XP-2 zu den feinkörnigsten Filmen überhaupt. Auch der Kontrast ist weicher und für hartes Bühnenlicht goldrichtig. Die Schärfe ist gut, wird aber vom Portra 400 noch überboten. Das Filmkorn ist grober, als wenn der Film mit 200 ASA belichtet und normal entwickelt wird. (Hier mein ausführlicher XP-2 Filmtest).


Tipp: XP-2 scanne ich im Farbnegativ-Modus und nicht in Graustufen (wie Delta 3200) ein. Bringt mehr Zeichnung in den Schatten (ganz subjektiv☺).
3: Fuji X-TRA 800 ASA (abgelaufen!)
Das Haltbarkeitsdatum meiner Fuji-Filme ist gut 20 Jahre abgelaufen. Den Fuji X-TRA 800 ASA habe ich in den 1990er Jahren öfter bei Theater- und Konzertaufnahmen verwendet. Alte Negativfilme lassen sich "retten", wenn man sie überbelichtet - so weit, so bekannt. Als grobe Faustregel gilt: Für zehn Jahre abgelaufener Haltbarkeit, eine Blende reichlicher zu belichten.
Doch was passiert, wenn man abgelaufene Filme überbelichtet und dann zusätzlich überentwickelt (pusht) ?

Ist das überhaupt sinnvoll ? Das wollte ich herausfinden.
Meine alten 800-ASA Fuji Filme habe ich auf 200 ASA belichtet und dann normal als auch gepusht entwickeln lassen:
a) Standardentwicklung im Farbnegativprozeß C41
b) Push-Entwicklung 1 Blende (ca. 30 % Prozent länger entwickelt),
um dann den Vergleich zu haben, ob das Pushen bei abgelaufenen, alten Farbnegativfilmen etwas bringt.


Kurz gesagt: Das Pushen abgelaufener Filme macht Sinn.
Oft wird bei alten, abgelaufenen Filmen von einer zusätzlichen Push-Entwicklung abgeraten. Mit der Zeit bilden alte Filme einen Grundschleier, der durch die verlängerte Push-Entwicklung noch verstärkt wird, heißt es.

Das ist nachvollziehbar, trifft bei meinen alten Fuji-Filmen X-Tra 800 ASA aber nicht zu. Der Grundkontrast wird durch die Push-Entwicklung steiler und einige Farben (Rot, Grün) wirken stärker gesättigt. Durch die Push-Entwicklung bekommt das Negativ aber auch mehr Pep.
Zum Vergleich habe ich einen weiteren Fuji 800 (gleiche Packung, gleiche Lagerung) normal entwickeln lassen, ohne Push-Entwicklung. Die Negative sind flauer und kontrastärmer.

Lohnt sich Push-Entwicklung bei alten Filmen immer?
Zu viele Einflüsse spielen da eine Rolle. Von der Filmsorte, bis zum Alter und der Lagerung (Zimmertemperatur, Keller, Kühlschrank). Bei meinem Fuji-Filmen hat es gepasst. Viel wichtiger ist die (reichliche) Überbelichtung alter Filme. Ausprobieren und experimentieren ist die Devise für mich und das mach vor allem jede Menge Spaß.


Tipp: Beste Ergebnisse zeigen meine alten Fuji X-TRA 800 ASA Filme bei 2 Blenden Überbelichtung (auf 200 ASA) und zusätzlicher Push-Entwicklung von 1 Stufe.
4: Kodak Portra 400 ASA
Dieser Film ist inzwischen einer meiner Lieblingsfilme in Farbe. Bei den Tanz- und Ballettfotos habe ich den Portra 400 auf 800 ASA belichtet und eine Stufe/Blende gepusht.

Der Portra 400 ASA zeigt die beste Schärfe und das feinste Korn meines getesteten Film-Quartets. Bei der Belichtung auf 800 ASA leidet aber der Dynamikumfang. Die Schatten laufen zu und haben wenig(er) Durchzeichnung. Der Portra läuft zu Hochform auf, wenn man ihn auf 200/250 ASA belichtet. Dann ist das Filmkorn (noch) feiner und der Kontrastumfang insbesondere in den Schatten besser.

Tipp: Bei Innenaufnahmen muss nicht (immer) der teurere Portra 800 ASA her. Der Portra 400 ASA, belichtet auf 800 und gepusht, liefert auch Top-Ergebnisse.
Kameras und Aufnahmetechnik

Abgesehen von der Generalprobe ist das Licht an den anderen Probetagen sehr, sehr schwach. Die Ballettschule Klaas probt in der Woche vor der Premiere im Hüttenhaus Herdorf, dem Theater der Jubiläumsgala. Bei 800 ASA komme ich nur auf Belichtungszeiten von 1/60 Sekunden, bei einer Blende von f1.8. Schwierig. Also versuche ich, die Höhepunkte einer Bewegung einzufangen. Mit entsprechend viel Ausschuß. Oder die eher ruhigen Sequenzen aufzunehmen.
Bei der Generalprobe ist dann ein Beleuchter zugegen. Er setzt Spotscheinwerfer und Bodenlichteffekte auf der Bühne ein. Nun komme ich auf Belichtungszeiten von 1/125 bei 800 ASA und Blende 2.8. Immerhin.
Meine alte Nikon F4 (von 1991) ist mit einem AF-D 50mm / f1.4 bestückt. Das Objektiv hat (noch) einen Blendenring und ist mit den alten Nikon-Kameras voll kompatibel. An der Nikon F6 (von 2006) habe ich das AF-S 85mm / f1.4 und seltener das AF-S 35 mm montiert. Diese neueren AF-S Objektive haben keinen Blendenring mehr und lassen sich an der alten F4 nur in Programm-und Blendenautomatik verwenden.

Da ich bei Tanzaufnahmen gerne im Manuell-Modus fotografiere, kommt das ältere 50 mm Objektiv an der F4 zum Einsatz. Im Vergleich zu den modernen AF-S Objektiven schlägt sich das AF-D 50/f1.4 aus den 1990er Jahren recht wacker. Bei offener Blende von 1.4 bis 2.0 sind die AF-S Objektive (35mm/f1.4 und 85mm) schärfer. Ab Blende 2.8 sind die Unterschiede bei meinen Linsen sehr gering.


